Teresa (16, von links), Samuel (11) und Kursleiter Max Barthel haben Nao, einen „humanoiden“ Roboter programmiert und warten gespannt darauf, ob er das tut was sie wollen. Fotos: Holger Menzel

Roboter sind faszinierend. Als Kind entdeckt man in der Technik vieles noch spielerisch, und genau dort möchte das Team des Robo-Studios ansetzen und Computer- und Softwarewissen in nicht-schulischer und entspannter Atmosphäre vermitteln. In Sachsenhausen, im großen Saal der Dreikönigsgemeinde, werden sie am kommenden Samstag ihr Projekt vorstellen.

Sachsenhausen. Langsam setzt sich der weiß-rote Roboter Nao in Bewegung. Knarzend steht er auf, mit ungelenk schlenkernden Beinen, fällt fast um, fängt sich aber wieder und macht einige vorsichtige Schritte. Dann scheint er sein menschliches Gegenüber zu fixieren und mit einer recht freundlichen Automatenstimme fragt er: „Wie heißt du?“

Teresa (16), Samuel (11) und der Kursleiter Max Barthel schauen zufrieden zu. Sie haben den ungefähr 40 Zentimeter großen Roboter auf ihrem Computer mit Hilfe der Software Choreograph programmiert und ihm diese Bewegungsfolge vorgegeben. Im Sachsenhäuser Robo-Studio finden die Kurse statt, die Kindern und Jugendlichen einen spielerischen Zugang in die Welt des Programmierens und der Robotik bieten sollen. Den DiplomPhysiker Detlev Barthel beschäftigte diese Idee schon lange: Es muss doch möglich sein, in einer sich zunehmend digitalisierenden Welt Kinder und Jugendliche schon früh an das Programmieren heranzuführen, dass parallel zum Erlernen von Lesen und Schreiben ein spielerischer Zugang zu Software und der Steuerung von Robotern eröffnet wird. Kleine Kinder brauchen natürlich etwas Stabiles zum Anfassen. Je mehr Technik drinnen steckt, umso fragiler werden die Roboter. Auch sind Kinder schnell gelangweilt von glatten Oberflächen. Deswegen ist der Einsteigerroboter aus Holz, Kibo genannt, genau das Richtige.

Bei uns geht es nicht um das Benoten und Beurteilen, die Begeisterung an der Sache ist der Antrieb.

Detlev Barthel, Robo-Studio

Detlev Barthel hat sich mit Hilfe seiner Frau Kannika und der Unterstützung der Söhne Theo (19 Jahre), Paul (21) und Max (24) seinen Traum erfüllt und im Erdgeschoss des Familienhauses im Großen Hasenpfad Projekträume eingerichtet. Die Kosten pro Kursstunde liegen bei 20 Euro. Ein wichtiger Mitarbeiter ist Stefan Bartels, ein technischer Tausendsassa, der sich um die Technik kümmert und in seiner ruhigen, freundlichen Art ein Ansprechpartner für groß und klein ist. Bartels erzählt: „Egal ob an der Haltestelle oder in der Straßenbahn, fast alle Leute schauen auf den Bildschirm ihrer Smartphones oder Tablet-Computer. Wir möchten Kindern und Jugendlichen zeigen, dass man mit den Geräten mehr machen kann, als passiv zu konsumieren.“

International ist die Entwicklung von didaktischen Programmen im Umgang mit neuen Medien und Techniken weit vorangeschritten. Das Team des Robo-Studios schaut sich genau an, was sich in Bezug auf Computerwissen, Robotik, 3DDruck, Informatik und App-Entwicklung tut. Bartels: „Es gibt tolle digitale Plattformen, auf denen sich die Anwender produzieren und ihre Ideen zur Diskussion stellen.“ Stefan Bartels, der aus Ostdeutschland stammt, erzählt von seiner frühen ComputerLeidenschaft. Gleich, als die Mauer weg war und man an die entsprechende Elektronik kam, hat er sich eingedeckt, begann zu löten und zu schrauben, er ist ein echter Nerd. Die drei Initiatoren des RoboClubs haben in den angenehmen Projekträumen im Souterrain schon Probekurse abgehalten, um zu sehen, ob ihr Ansatz mit den Kindern funktioniert. Diese Erfahrungen haben ihnen Mut gemacht. Auch haben sie beim FraunhoferInstitut Schulungen gemacht und sich zu zertifizierten Robotik-Lehrern weitergebildet. Die „Königsdisziplin“ sind Java-Kurse ab zwölf Jahren. Java ist als Programmiersprache allgegenwärtig und wird bei jedem elektronisch-technischen Gerät verwendet. Sie steckt im Handy, im Staubsauger oder im Tablet. Java ist leicht zu erlernen, benötigt aber praktische Übung. „Wir wollen das so vermitteln, weil sich beim Tun die Lust nach mehr einstellt“, erklärt Paul Barthel, der an der Frankfurter Universität Informatik studiert. Dabei kommt auch der Lego EV 3 zum Einsatz, den man mit Java in Bewegung setzen kann. Der Spaß beim Lernen scheint also programmiert.

Kibo: Für Anfänger

Dieser Kinder-Roboter heißt Kibo, der Einführungskurs ist für Kinder von fünf Jahren bis zur zweiten Grundschulklasse gedacht. Auf Holzklötzchen sind Symbole abgebildet, die einen Programmbefehl darstellen. Eine Kette von Befehlen ist eine Programmierung, die der Kibo mit einem Barcode-Scanner übernimmt. Die Kinder müssen nicht am Bildschirm arbeiten, sondern können sich vollständig auf ihren selbstständigen Roboter konzentrieren. Er wird dekoriert, programmiert und macht begleitet von aufmunternden Zurufen seinen Job. Wie bei fast allen Kursen wird hier in Zweiergruppen gearbeitet.

Die zweite Stufe

Dieser Kurs ist ebenfalls für Kinder von fünf Jahren an geeignet, die noch keine Lese- und Rechtschreibkenntnisse haben. Jedes Kind bekommt einen eigenen Tablet-Computer. Mit einem Programm, das Figuren animiert, werden Geschichten und Spiele gestaltet. Nebenbei lernen die Kinder am Bildschirm zu zeichnen. Für die Geschichten werden Figuren und Gegenstände selbst erzeugt, jeder Künstler kann am Ende jeder Lektion einen Ausdruck seines Kunstwerks zu Hause vorzeigen. Nachmachen ist immer erlaubt, verbessern gerngesehen und wer besonders flott ist, hilft denen, die etwas mehr Zeit benötigen.

Ab sieben Jahren

Für Kinder von sieben Jahren an ist „Lego we do“ geeignet. In Zweiergruppen wird programmiert und es werden Robotermodelle gebaut. Auf einem Tablet werden die Programmier-Blöcke zusammengestellt. Per Bluetooth werden sie auf den Mini-Roboter übertragen. Wenn dann die selbstgebauten Modelle starten, steigt die Stimmung. Das inspiriert zum Erfinden von eigenen Anwendungen. Jede Lektion wird mit dem Bauen von Modellen abgeschlossen. Die neu erlernten Programmier-Blöcke werden kreativ verwendet. In diesem Kurs lernen Kinder die Grundlagen der Programmierung und Robotik.

Ab zehn Jahren

Lego hat einen Bausatz für Robotik entwickelt, der sich Mindstorms EV 3 nennt. In diesem Kurs verwenden Mädchen und Jungen ab dem Alter von zehn Jahren Motoren und Sensoren. Sie erstellen Programme, in denen sich ein Roboter selbstständig in seiner Umgebung bewegt. Er erkennt Hindernisse,reagiert auf sie und erreicht sein Ziel, ohne dass von außen eingegriffen wird. Mathe, Informatik und Physik werden hier wie selbstverständlich genutzt, um ans Ziel zu kommen. Zwei Lehrer leiten einen Kurs von sechs bis acht Teilnehmern. Das Ziel ist immer, eigene Lösungen für ein Problem zu finden.

3D-Drucker

In Zukunft wird der 3D-Druck unseren Alltag durchdringen. Im Kurs wird das praktische Verständnis dafür vermittelt. Erst werden mit einfachen Formen Objekte am Bildschirm erzeugt. Diese werden in Kunststoff ausgedruckt und sehen beeindruckend aus. Dann werden Objekte nach eigenen Zeichnungen erstellt. Es werden Produkte nach eigenen Ideen in Schokolade, Wachs oder Seife erzeugt. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Der Umgang mit aktueller Software wird geübt und die Ideen nehmen sofort Form an. Alltagsgegenstände oder Süßigkeiten produzieren ist kein Geheimnis mehr.

VON MARTIN GLOMM

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